• Ein Postkasten mit der Kennzeichnung "Feedback".
  • Eine weiße Kaffeetasse mit dem Aufdruck "Begin"
  • Ein Schild mit der Aufschrift "Innovation" und belanglose Diagramme.

In den Unternehmensbereich Forschung und Entwicklung fließt, je nach Unternehmen, eine Menge Geld. Anteilig am Unternehmensumsatz gemessen zwar in der Regel nur ein Wert im unteren bis mittleren, einstelligen Prozentbereich – bei größeren Unternehmen kommt da unter Umständen aber schon eine ganz ordentliche Summe zusammen. Da wundert es einen doch nicht, dass so manches Unternehmen versucht, diese Kosten zu reduzieren. Und wie stellt man das am besten an? Indem man sich an Unternehmen orientiert, die mit viel kleinerem Budget auskommen müssen und trotzdem erfolgreich sind – Startups.

Startup-Methoden vs. Konzernstrukturen

Agile Methoden und eine höhere Fehlertoleranz – das sind die Werkzeuge, mit denen Startups ganz anders an die Entwicklung neuer Produkte rangehen als wir Konzerne. So setzen Startups beispielsweise oft Scrum im Projektmanagement ein. Damit kann in kurzen Abständen regelmäßig ein Fortschritt gesehen, beurteilt und gelenkt werden. Das erzeugt Agilität und Schnelligkeit. Schnelle Resultate sind auch dann wichtig, wenn es um die Suche von Unterstützern und Investoren geht. Deshalb wird neben einem schlanken Projektmanagementprozess in der Regel auch großen Wert auf das Einholen von Kundenfeedback gelegt. Damit das bereits sehr früh in der Entwicklung passieren kann, bauen Startups gerne sogenannte MVPs.

MVP = schnelles Produkt – so viel habe ich verstanden. Aber was genau ist ein MVP nun?

Der Begriff MVP steht für Minimum Viable Product, was so viel heißt wie minimal überlebensfähiges Produkt. Anders ausgedrückt handelt es sich hierbei um ein Produkt, welches möglichst kompakt gehalten wird, was den Funktionsumfang anbelangt, aber trotzdem ausreichend viele Funktionen besitzt, sodass es Interesse bei der angestrebten Zielgruppe hervorruft und dadurch überlebensfähig ist.

Ein MVP ist die Schnittmenge zwischen dem Minimum und dem Brauchbaren.

Reduziert auf die Kernfunktionen

Im Grunde ist ein MVP also ein neues Produkt mit den wichtigsten Kernfunktionen ohne viel Schnickschnack. Es werden möglichst wenig Ressourcen reingesteckt, um zu testen, ob es eine Marktlücke gibt. Allerdings sollten noch so viele Funktionen vorhanden sein, dass der Kunde auch bereit, ist es zu kaufen.

Bei einem Auto wäre die wichtigste Funktion beispielsweise die Fähigkeit zu Fahren und alles, was notwendig ist, um den Gesetzgeber glücklich zu stellen (damit das KFZ auch zugelassen wird). Insbesondere Sonderausstattungsmerkmale wie ein Navigationssystem, die Metalliclackierung oder beheizbare Ledersitze sind nichts, was in einem MVP berücksichtigt werden würde und sollte. Letztlich kauft man ein Auto ja wegen der Fähigkeit zu Fahren und nicht wegen des exotischen Lacks. Ausnahmen bestätigen hier bloß die Regel.

Wie kann man sich einen MVP vorstellen? Hat illwerke vkw das schon mal gemacht?

Ein MVP kann viele verschiedene Formen annehmen und hat letztlich immer den Zweck, eine Hypothese zu beantworten. Eine solche Hypothese könnte beispielsweise sein, dass ein Markt für ein Produkt existiert. Oder dass die Kunden ein Produkt in einer gewissen Form und Farbe akzeptieren und kaufen, obwohl die Trendfarben ganz andere sind. Annehmen können wir viel, aber zur Risikominimierung sollten wir unsere Annahmen auch regelmäßig überprüfen.

Wie frage ich das Interesse bei Kunden ab?

Wie genau wir diese Annahmen jeweils beantworten können, hängt dabei sehr stark von der Frage ab. Nicht immer müssen wir ein fertiges Produkt (im Sinne eines MVP) anbieten, um Feedback von Kunden bekommen zu können. Oft ist es auch möglich, mit gutem Marketingmaterial oder sogar mit ganz einfachen Skizzen das Interesse bei potentiellen Kunden abzufragen. Natürlich ist eine solche Befragung weniger fundiert wie das Feedback von tatsächlichen Kunden. Aber für eine erste Markteinschätzung ist eine Interessensbekundung von potentiellen Kunden bereits mehr als ausreichend.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Dropbox

Einige der größten Internetgiganten haben in der Vergangenheit selbst mit genau dieser Herangehensweise angefangen. Dropbox zum Beispiel hat zu Beginn lediglich ein Video veröffentlicht, in dem die wesentlichen Funktionen des Dienstes – in wohlgemerkt nicht funktionsfähigem Zustand – illustriert wurden. Aufgrund der hohen Nachfrage waren sie dann in ihrer Vermutung, dass die Welt auf einen Cloud Storage-Anbieter gewartet hat, bestätigt und haben ihre Visionen in einem großartigen Produkt umgesetzt. Die hohe Resonanz auf das Werbevideo hat ihnen darüber hinaus bei der Investorensuche geholfen.

Mit Luftmatratze und Frühstück zum Erfolg

Ein weiteres Paradebeispiel ist Airbnb. Wie viel Wahrheit in der Gründungsgeschichte des Unternehmens steckt, ist nicht ganz klar. Der Urban Myth besagt jedoch, dass alles mit einer einfachen Website angefangen haben soll. Auf dieser sollen die zwei Gründer während einer Designertagung einfache Luftmatratzen mit selbst zubereitetem Frühstück in ihrer Wohnung als Schlafplatz angeboten haben. Grund dafür war, dass alle anderen Schlafmöglichkeiten in der Stadt bereits ausgebucht gewesen sein sollen und sie dank Arbeitslosigkeit auch noch Geld für ihre Miete brauchten. Prompt wurden sie von einer hohen Nachfrage überrascht – trotz der eher geringen angebotenen Standards der Unterkunft. Folglich war ihnen klar, dass auch eine Nachfrage für Schlafmöglichkeiten des kleinen Budgets existiert.

Auch etablierte Unternehmen brauchen MVPs.

Das Senken von Entwicklungskosten durch die frühere Erkennung von Fehlern (im Design, Featureumfang, …) ist nur ein erstes Argument, warum Unternehmen das Prinzip von MVPs anwenden sollten. Ein weiteres Argument ist, dass sich durch das frühzeitige Einbeziehen von Kunden die Bedürfnisse dieser besser berücksichtigen lassen. Denn wieso sollten wir ein Produkt erst fertigbauen, nur um dann von unseren Kunden zu lernen, dass ihnen beispielsweise das Design nicht gefällt. Oder dass wir die wichtigen Funktionen im Bereich der Usability völlig falsch eingeschätzt haben.

Hypothesen validieren. Kundenfeedback einholen.

Mit Hilfe eines MVP lassen sich gewisse Hypothesen und damit Annahmen, die wir während der Entwicklung eines Produktes treffen, mit wenig Ressourcen überprüfen. Das Risiko, dass das Produkt in der Form zum Zeitpunkt des MVP keine große Akzeptanz erfährt, bleibt natürlich trotzdem bestehen. Dennoch ist der Schaden in einem solchen Fall wesentlich geringer, da noch nicht allzu viel Ressourcen in die Entwicklung geflossen sind. Gleichzeitig bedeuten aber auch die notwendigen Änderungen zur Herstellung der Kundenakzeptanz weniger Aufwand und damit geringeren Ressourceneinsatz.

Agile Methoden als Werkzeug

Der Einsatz von MVPs und der sich dahinter befindlichen Art zu entwickeln, nämlich zusammen mit dem Kunden anstatt für ihn, hilft Unternehmen auch, agile Prozesse und Arbeitsmethoden einzuführen und umzusetzen. Scrum und Kanban sind beispielsweise perfekt zur Abwicklung von MVPs geeignet, da es sich dabei um sehr agile Methoden handelt, bei denen in kurzen Abständen regelmäßig releasefähige Ergebnisse entstehen. Durch die hohe Transparenz und agile Planung lässt sich Kundenfeedback wesentlich einfacher und kostengünstiger in die Entwicklung einarbeiten.

Kundenfeedback als Schlüssel zum Erfolg

Wie wichtig und sinnvoll MVPs und die Entwicklung von Produkten zusammen mit den Kunden ist, sieht man spätestens, wenn man sich die Geschichte der Automobilindustrie ansieht. Misserfolge hat schon fast jeder Hersteller einmal mitgemacht. Der Ford Edsel Ranger, der VW 411 und der Trabant 1.1. sind nur ein paar wenige Modelle, die komplett gefloppt sind. Hätten die Hersteller ihre Fahrzeuge nicht erst komplett zu Ende entwickelt und ohne Berücksichtigung des Kundenfeedbacks auf den Markt geworfen, hätten sie wohl hunderte Millionen an Entwicklungskosten sparen können.

What’s next?

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, hast du Glück, denn das war der erste Beitrag in einer längeren Serie über etablierte Startup Methoden. In regelmäßigen Abständen werden wir über die nächsten Monate hinweg immer wieder Beiträge zu den verschiedenen Methoden veröffentlichen. Und damit das Ganze nicht zu abstrakt wird, folgen in Kürze noch zwei Beiträge zu aktuellen MVPs von uns. Also sei gespannt!

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