Es geht weiter mit unserer Blogreihe über Methoden aus dem Lean Startup Segment. Heute geht’s um die SIT Methode. Schon einmal davon gehört? Wenn nicht, kein Problem. SIT steht für Systematic Inventive Thinking. Also um systematisch erfinderisches Denken.

Kann man, um erfinderisch(er) zu sein, systematisch vorgehen? Gibt es Regeln oder Muster, die man anwenden kann, um auf eine Idee oder Innovation zu kommen? Ja, die gibt es. Bei der SIT Methode geht es in erster Linie darum, dass man verschiedene Innovationsmuster bei Problemstellungen anwendet, um auf neue Lösungsansätze zu kommen. Hinter vielen Problemen verbergen sich nämlich Muster. Sind diese Muster bekannt bzw. erkennt man diese, so ist es möglich, diese mit einer systematischen Analyse zu lösen.

 

Wer oder was ist die SIT Methode?

Die SIT Methode stellt eine Ideenfindungsmethode dar. Sie kann als praktischer Ansatz für Kreativität, Innovation und Problemlösung gesehen werden. Das heißt, wendet man diese Methode an, so können daraus Ideen bzw. Innovationen entstehen. Und das ist es doch, was wir alle wollen. Einen erfolgreichen Innovationsknüller finden, neue Ideen generieren, die zu vielversprechenden Geschäftsmodellen führen.

Aber wie findet man solche Ideen? Nicht jeder hat ständig einen Gedankenblitz, der zu einer bahnbrechenden Innovation führt. Also müssen geeignete Werkzeuge her, um Ideen zu finden und zu identifizieren. Die SIT Methode stellt hierfür eine sehr gute Methode dar. Über gedankliche Umwege werden Potenziale freigelegt, die einem sonst nicht in den Sinn kommen würde. Daraus lassen sich wiederum ungewöhnliche Schlussfolgerungen ableiten, die dann zu neuen Produkten führen können.

Bei der SIT Methode setzt man nicht bei den Wünschen des Kunden an, sondern am bereits existierenden Produkt. Im SIT Prozess wird das Produkt in Gedanken immer wieder verändert, sodass sich ein neuer Nutzen ergibt. Während des Prozesses kann eines der fünf Werkzeuge der SIT Methode angewandt werden. Um erfinderisch zu sein, werden verschiedene Grundprinzipien verfolgt. Die oberste Prämisse dabei ist: Gehe steht’s den Weg des größten Widerstands.

 

Und wie geht man bei der SIT Methode nun vor?

Im Fokus der SIT Methode stehen fünf Denkmuster – sogenannte Innovationsmuster: Subtraction, Multiplication, Unification, Division und Relation. Diese fünf Werkzeuge können für die Suche nach Ideen eingesetzt werden. Die SIT Methode bedeutet, am bestehenden Produkt anzusetzen und von da aus einen neuen Nutzen für den Kunden zu suchen. Das ist ungewöhnlich, orientiert man sich in der Produktentwicklung doch häufig eher am Wunsch des Kunden, an technologischen Entwicklungen oder an den Wettbewerbern. Bei der SIT Methode bewusst nicht. Das bestehende Produkt bildet die Ausgangsbasis. Dabei wird das bestehende Produkt nach bestimmten Regeln und Prinzipien immer wieder verändert, bis sich neue Vorteile und somit auch neuen Nutzen ergeben. Zu aller erst werden die einzelnen Komponenten des zu verändernden Produktes oder auch Prozesses aufgelistet. Dann wird entschieden, welches der fünf Innovationsmuster angewandt wird. Ist dies entschieden, so wendet man dieses Werkzeug an. Dadurch entsteht ein virtuelles Produkt, welches es so aktuell nicht am Markt gibt. Auf Basis des virtuellen Produktes werden Vorteile für diese Art von Produkt und im nachfolgenden Schritt Herausforderungen gesammelt.

Wichtig ist, dass bei der SIT Methode innerhalb eines bestehenden Rahmens gearbeitet wird. Man spricht hier von der sogenannten Closed World. Es wird nach Lösungen in unmittelbarer Umgebung gesucht. Dazu ein Beispiel: Erlebnis einer Reifenpanne zwei junger Ingenieure der Aeronautik. Der Reifenwechsel stellt kein Problem dar. Aber als diese beiden mit dem Kreuzschlüssel die Radmutter aufdrehen wollten, stellten sie fest, dass sie eingerostet waren. Das passierte 1990 – keine Handys um Hilfe zu holen. Hilfsmittel wie Pannensprays oder Rohre zur Verlängerung der Hebel waren ebenfalls nicht verfügbar, daher mussten die beiden innerhalb dem Auto nach einer Lösung suchen. Die Lösung war der Wagenheber. Die Restriktion, innerhalb des Autos nach einer Lösung zu suchen, machte erfinderisch. Deshalb ist es wichtig, dass bei der SIT Methode verinnerlicht wird, Ressourcen zur Problemlösung innerhalb einer sogenannten Closed World zu nutzen.

 

Nochmals zurück, was waren jetzt die Innovationsmuster?

Den Kern der SIT Methode bilden fünf Innovationsmuster. Mit diesen Mustern lassen sich Innovationen gezielt und systematisch herbeiführen.

 

SUBTRACTION

Subtraction ist eines der mächtigsten Werkzeuge. Es wird das weggelassen, was weh tut. Zuerst werden alle Komponenten des Produktes notiert. Danach werden ein oder mehrere Bestandteile bewusst weggelassen. Das macht keinen Sinn? Im ersten Augenblick nicht, aber es finden sich überraschender Weise zahlreiche Vorteile, wenn Elemente fehlen. Nach und nach stellt man fest, dass es gar nicht schwer ist, dieses virtuelle Produkt umzusetzen und wirklich werden zu lassen. Durch das Eliminieren einer Produktkomponente werden neue Anwendungen und Märkte gefunden. Der Elektronikkonzern Philips nutze die Substraction beispielsweise vor Jahren bei der Entwicklung eines neuen DVD-Players. Hier wurde bewusst auf das Display des Geräts verzichtet. So entstand ein minimalistisches Gerät, welches auf dem Markt neue Impulse setzte. Die Funktionen des Displays wurden über die Fernbedienung auf dem Bildschirm übernommen.

MULTIPLICATION

Bei diesem Innovationsmuster wird nach Auflistung der Komponenten, ein Bestandteil herangezogen und vervielfältigt, also multipliziert. Dabei ist zu beachten, dass eine einfache Kopie nicht zulässig ist. Die zusätzliche Komponente muss in irgendeiner Art und Weise anders sein. Beispiel hierfür stellen Mehrklingen-Rasierer dar. Bei den Mehrklingenrasierern gibt es mehrere Klingen mit unterschiedlichen Funktionen. Die erste richtet das Haar auf, die zweite schneidet bzw. rasiert.

 

DIVISION

Nach Auflistung der Komponenten, werden diese Komponenten gruppiert – nach Funktionen oder Produktcharakter. Bei der Anwendung der Division stellt man sich die Frage, kann etwas geteilt werden? Und was passiert, wenn diese Teilungen aufrecht gehalten oder sogar in einer „falschen“ Reihenfolge wieder zusammengesetzt werden? Aufgrund dieses Perspektivwechsels entsteht oftmals ein neuer Nutzen. Ein Beispiel hierfür ist das Aufteilen von 500g Kaffeepulver in einzelne Kaffeekapseln. Achtet man darauf, wird das Muster überall gefunden. Im Supermarkt, im Auto, in der Raumfahrt, zu Hause, sogar in der Natur.

 

UNIFICATION

Nach Auflistung der Komponenten inklusiv der jeweiligen Funktionen der Komponenten werden die Funktionen neu zugeordnet. Bei diesem Werkzeug stellt sich also die Frage, welche Komponente kann welche Aufgaben übernehmen? Oder gibt es irgendwo eine Möglichkeit, eine wichtige Funktionalität elegant in das System zu integrieren. So kann einer vorhandenen Komponente eine neue Funktion zugeschrieben werden. Heizdrähte in der Heckscheibe von Fahrzeugen übernehmen beispielsweise auch Antennenfunktionen. Der Homebutton bei einem Smartphone dient zugleich auch als Fingerprint. Eine Komponente, die also zwei Funktionen hat.

 

RELATION

Bei diesem Innovationswerkzeug werden nach Auflistung der Komponenten, die internen und externen Variablen notiert und zugleich Zusammenhänge dieser Variablen hinterfragt. Was passiert, wenn selbstverständliche Verbindungen aufgelöst werden? Was passiert, wenn ich etwas verknüpfe, das nicht zusammengehört? So wird ein Verhältnis zweier Komponenten zueinander neu geschaffen, verändert oder beseitigt. Das ist ein sehr aufwendiges Innovationsmuster, aber extrem wertvoll. Beispiele hierfür gibt es viele. Von der Happy-Hour, die die Preis/Zeit Relation neu kombiniert über Unisex-Parfums, die die Relation Geschlecht auflösen bis hin zu Brillen, die sich unter Sonneneinstrahlung dunkel verfärben und zu Sonnenbrillen werden. Auch Scheibenwischer, die ihre Geschwindigkeit der Regenmenge anpassen oder Frontscheinwerfer, die bei Gegenverkehr automatisch abblenden, sind beispiele für das Innovationswerkzeug Relation.

 

Hier bei uns im Innovation Lab wenden wir immer wieder verschiedene Methoden zur Ideenfindung an. Unter anderem eben auch die SIT Methode. Probiert es selbst mal aus, ihr werdet erstaunt sein, wie hilfreich diese Methode ist!

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