Die Intersolar Europe, die weltweit führenden Fachmesse für die Solarwirtschaft, ist Jahr für Jahr das Schaufenster der PV-Branche. Neben den omnipräsenten Preisspekulationen rund um das Thema PV-Module ist das Innovation Lab und Stromify auf der Suche nach den kommenden Trends auf der Messe. State of the Art-Technologien treffen hier auf wegweisende Konzepte und mitunter gewagte Ideen, die zukünftig eine Rolle spielen könnten.

Lösungen statt Produkte

Immer mehr Hersteller beginnen ihre Produktportfolios auszubauen, sie wollen weg vom reinen Hardware-Lieferanten (am Beispiel der Wechselrichter als zentrales Element der Autonomieanlage) hin zu einer möglichst kompletten Systemlösung aus einer Hand. Beispielsweise mit Batterien, für mehr Unabhängigkeit, und zusätzlicher Einbindung von großen Verbrauchern im Haushalt (zum Beispiel die E-Patrone im Boiler), um den Eigenverbrauch und damit die Wirtschaftlichkeit der Autonomieanlage zu steigern.

Alles Themen die auch auf der Agenda des Innovation Labs stehen und für unser Projekt Stromify hohe Relevanz haben. Als Prosumer hier den Überblick zu behalten, kann mitunter ganz schön anstrengend und zeitraubend sein. Auf der anderen Seite ist es spannend zu sehen, wie die PV-Branche als Teil der Energiebranche von den großen Themen wie Digitalisierung, Cloudservices, IoT, Blockchain,… erfasst wird und solcherart sich auch in einem permanenten Wandel befindet. Leider öffnen sich viele Hersteller nur zögerlich, was die Standardisierung von Schnittstellen und Protokollen anbelangt und setzen lieber auf ihre eigenen, zwar gut beherrschbaren aber dennoch proprietären Schnittstellen und damit auf geschlossene Systeme.

 

Offene Systeme versus proprietäre Schnittstellen

„Wir sind der Meinung, die 100% Energiewende braucht ein offenes und freies Energiemanagementsystem.“ OpenEMS

 

Ein interessanter Ansatz diese Hürde hinter sich zu lassen ist OpenEMS. Hinter der Initiative steckt unter anderem der deutsche Batteriehersteller Fenecon. Mit im Verbund des EU-Förderprojektes sind zudem das deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das Zentrum für Digitalisierung in Bayern und verschiedene europäische Universitäten. Kern der Überlegungen ist anstatt das jeder Hardware-Hersteller sein eigenes Energiemanagementsystem (EMS) entwickelt, gemeinsam ein EMS zu entwickeln, dass an die Bedürfnisse der jeweiligen Hardware angepasst werden kann.  Vor allem bei der Integration verschiedener Komponenten einer Autonomieanlage könnten gemeinsame Standardschnittstellen eine erhebliche Erleichterung und vor allem Zukunftssicherheit bringen. Wie konsequent dieser Gedanke schon gelebt wird ist an der Tatsache ersichtlich, das schon heute der Sourcecode für OpenEMS zum Download frei erhältlich ist. Hier wird der Open Source Gedanke wirklich gelebt. In naher Zukunft soll OpenEMS an eine neutrale Trägerschaft übergeben werden. Dafür wird noch dieses Jahr eine Non-Profit-Organisation gegründet.

Noch einen Schritt weiter in der Wertschöpfungskette geht SMA mit ennexOS. Das etwas sperrige Akronym steht für Energy Next Operating System und ist eine neue sektorübergreifende IoT-Plattform für Energiemanagement. Die Plattform kombiniert die Sektoren Heizung, Kühlung, Elektrizität und Mobilität auf einer Plattform und bietet Lösungen entlang der gesamten Prozesskette. Tools für eine sektorübergreifende Simulation, Inbetriebnahme, Überwachung und Steuerung sind vollständig integriert, um die Installateure und Endverbraucher zu unterstützen.

 

Die Komponenten der Anlagen werden intelligenter – Braucht es noch einen Energiemanager?

Ja, aktuell und in naher Zukunft braucht es Energiemanagementsysteme, aber die heute am Markt etablierten Systeme haben noch gewisse Nachteile was die Kompatibilität, die konsequente Netzwerk-Kommunikation und vor allem die Offenheit anbelangt. Die Systeme werden zwar kontinuierlich weiterentwickelt, aber um ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit zu liefern sind die Testzyklen, die an jeden Entwicklungszyklus anschließen, sehr lang und dementsprechend viel Geduld ist angesagt.

Mitunter könnte zukünftig aber auch der Wechselrichter diesen Job gleich komplett übernehmen. Neben dem Wirkungsgrad, der gerade an der 99-Prozent-Marke kratzt, kommt so auf Wechselrichter ganz neues Innovationspotenzial entlang der Energiewertschöpfungskette zu. Mit Hilfe der Digitalisierung eröffnen sich Herstellern neue Einsatzfelder und Geschäftsmodelle. Während die einen nämlich an der Verbesserung der Hardware arbeiten (z.B. beim Thema Energiemanager), treiben andere die Softwarelösungen voran. Viele Anbieter erweitern gerade ihr Portfolio um Software- und Cloud-Dienste, die sie auf digitalen Plattformen mit ihren PV-Wechselrichtern verbinden. Unter der Einbeziehung von Partnern aus den Bereichen Elektromobilität, Energiespeicherung oder Kühlung entstehen neue Geschäftsmodelle, die die Kernkompetenzen verschiedener Branchen bündeln. Prosumer können auf diese Weise Energiemanagementlösungen vom Profi nutzen, ohne selbst eine kostenintensive Infrastruktur aufbauen zu müssen.

Das hört sich auch für das Innovation Lab spannend an und kommt uns, speziell bei den gemachten Erfahrungen im Rahmen des Pilotprojektes Stromify, entgegen. Insbesondere bei Nachrüstlösungen und beim Tausch des Wechselrichters ergeben sich so ganz neue Perspektiven. Diese Lösungen sind zwar noch nicht alle verfügbar (sehr oft stehen auch noch lange Lieferzeiten im Raum) und müssen sich erst noch im täglichen Einsatz beweisen. Wir bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran und werden im Rahmen des Pilotprojektes Stromify weitere Innovationen nach Vorarlberg bringen.

 

Mehr Details zur Messe gibt’s auf der Website der Veranstalter beziehungsweise auf der Website des PV-Magazines zu finden:

Rückblick Intersolar 2018

Messerückblick des PV-Magazines

 

Quellen:

OpenEMS

ennexOS

 

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